Online-Tagung Ernährungsbildung am 28. Oktober 2020
Die ersten 1000 Tage – Kinderernährung in Bewegung

Junge Frau mit Kleinkind auf dem Arm vor einem Apfelbaum

© PantherMedia / FamVeldman

Die ersten 1000 Tage – von Beginn der Schwangerschaft bis Ende des zweiten Lebensjahres – sind eine Periode, in der beim Kind in Bezug auf Entwicklung und Prägung unfassbar viel passiert. In dieser Zeit werden die Weichen für das gesamte spätere Leben gestellt. Ernährung und Bewegung wirken sich in dieser Phase lebenslang auf die Gesundheit eines Menschen aus.

Wie können wir diese richtungsweisende Zeit optimal nutzen? Die diesjährige Tagung der Netzwerke Junge Eltern/Familien greift mit renommierten Experten – diesmal online – wichtige Aspekte zu diesem aktuellen Thema aus den Bereichen Ernährung, Bewegung und Elternarbeit auf.

Termin

Die Tagung findet am 28. Oktober 2020 online statt.
Dies ist eine gemeinsame Veranstaltung der bayerischen Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg, Bayreuth, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Fürth, Landshut, Regensburg und Würzburg.

Programm

  • Beginn: 10:00 Uhr
    • Grußworte – Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
    • Begrüßung
    • "Aktuelles aus der Ernährungsbildung in Bayern", Vertreterinnen der bayerischen Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung
  • Fachbeiträge
    • "Ernährung: Einfach. Gut. Starten", Brigitte Neumann, Diplom-Ökotrophologin, Uttenreuth
    • "Von Geburt an: Bewegung als Motor von LernLust", Michael Passolt, Dipl. Motologe, München
    • "Alle ziehen an einem Strang – so gelingt die Kooperation mit Eltern", Marion Annecke, Diplom-Sozialpädagogin, Augsburg
    • Abschluss und Ausblick
  • Ende: ca. 13:45 Uhr

Hinweise

  • Die Zugangsdaten mit dem Link zur Tagung erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung wenige Tage vorab per E-Mail
  • Zur Teilnahme benötigen Sie keine spezielle Software, nur eine stabile Internetverbindung.
  • Diese Veranstaltung wird für die kontinuierliche Fortbildung von Zertifikatsinhabern der DGE, des VDD und des VDOE mit 3 Punkten berücksichtigt, QUETHEB bewertet die Online-Veranstaltung mit 0,5 Punkten im Modul M. Zur Anerkennung der Tagung mit den entsprechenden Fortbildungspunkten ist die Teilnahme über den gesamten Tagungszeitraum notwendig.
  • Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Anmeldung
Diese Online-Veranstaltung ersetzt die regionalen Tagungen der acht bayerischen Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung. Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt, daher bitten wir um zeitnahe Anmeldung.

Ansprechpartnerinnen

Stefanie Schirle
AELF Fürstenfeldbruck
Kaiser-Ludwig-Straße 8a
82256 Fürstenfeldbruck
Telefon: 08141 3223-300
Fax: 08141/3223-555
E-Mail: poststelle@aelf-ff.bayern.de
Irmgard Hollering
AELF Fürstenfeldbruck
Kaiser-Ludwig-Straße 8a
82256 Fürstenfeldbruck
Telefon: 08141 3223-253
Fax: 08141/3223-555
E-Mail: poststelle@aelf-ff.bayern.de

Rückblick

Tagung 2019

So werden wir groß und stark! – 10 Jahre Netzwerk Junge Eltern/Familien

10 Jahre – ein Grund zum Feiern! Seit 2009 unterstützen die Netzwerke Junge Eltern/Familien Ernährung und Bewegung Familien auf dem Weg zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise. Mit Angeboten für die ersten Lebensjahre bis zum Schuleintritt haben sich die Netzwerke etabliert und wachsen stetig.
Mehr als 100 Teilnehmer aus dem Ernährungs- und Bewegungsbereich durften die Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung Oberbayern auf der Tagung am 15. Oktober begrüßen. Bei der Tagung blickten die Verantwortlichen bei dieser Jubiläums-Veranstaltung auf die erfolgreiche Arbeit der letzten 10 Jahre des Netzwerks Junge Eltern/Familien zurück. Auch die Referentinnen warfen einen Blick auf die Entwicklung im Ernährungs- und Bewegungsbereich und stellten den Teilnehmern die aktuellen Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen vor.

Vorträge am Vormittag

Dr. Daniela Muhr-Becker
Fakten versus Mythen – Kinderernährung aktuell
Diplom Oecotrophologin Dr. Daniela Muhr-Becker stellte in ihrem Vortrag dar, dass in den ersten Lebensjahren der Grundstein für das Ernährungsverhalten im späteren Leben gelegt wird. Deshalb solle die Ernährung von Anfang an optimal gestaltet werden, was für die jungen Eltern und Familien nicht immer leicht ist. Veränderte Familienstrukturen und eine Flut von widersprüchlichen, vermeintlich wohlgemeinten Informationen verunsichern Eltern und ErzieherInnen. Muhr-Becker empfiehlt, wissenschaftlich fundierte Quellen wie das Forschungsdepartment Kinderernährung in Dortmund (FKE) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Maßstab zu nehmen. Sie hebt die handlungsorientierte Ernährungsbildung in den Einrichtungen heraus und unterstreicht, wie wertvoll die gemeinsame Zeit rund ums Essen in der Familie ist. Konkret sollen Kinder möglichst frische Lebensmittel essen, um die Geschmacksintensitäten ursprünglicher Lebensmittel kennen zu lernen und eine Geschmacksvielfalt zu entwickeln. Die aktuellen Ernährungsempfehlungen haben sich laut Muhr-Becker nicht wesentlich geändert, aber der Bereich Ernährungskultur, Essatmosphäre, Genuss und der Wert von positiven Erfahrungen sollte mehr betont werden. Kinder sollen ab dem 1. Lebensjahr reichlich pflanzliche Lebensmittel, mäßig tierische und sparsam fett- und zuckerreiche Lebensmittel angeboten bekommen. Dabei bezieht sich Muhr-Becker auf die Empfehlungen des FKE und stellt diesen Zusammenhang anhand der AID-Pyramide noch detaillierter dar. Eine vegetarische Ernährungsform sei bei guter Auswahl möglich, eine vegane Ernährung dagegen nicht empfehlenswert. Sie erfordere eine regelmäßige ärztliche Kontrolle und gezielte Supplementierung.
Dr. Katrin Adler I
Kinder und Bewegung – das wissen wir heute
Schon in der Pause brachte Sportwissenschaftlerin Dr. Katrin Adler die TeilnehmerInnen mit einer praktischen Bewegungseinheit in Schwung. Auch während ihres Vortrags aktivierte Adler ihre Zuhörer und ging dabei auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Bewegungsverhalten von Kindern ein. Anhand von Studien zeigte sie auf, dass Kinder mit einer moderaten bis intensiven Bewegungszeit im Tagesverlauf motorisch fitter und selten übergewichtig sind, sich besser konzentrieren können, bessere schulische und sprachliche Leistungen erbringen und insgesamt eine bessere gesundheitliche Verfassung aufweisen. Allerdings sei die Erfassung kindlicher Bewegungszeit aufgrund subjektiver Einflüsse oftmals schwierig. Während rund 50 Prozent der 3- bis 5-jährigen Kinder die Bewegungsempfehlungen der WHO von 60 Minuten täglicher Bewegungszeit noch erreichen, schaffen diese Bewegungsempfehlung immer mehr Kinder mit zunehmendem Alter nicht mehr. Damit sich Kinder ausreichend bewegen, sollen Eltern und ErzieherInnen viel intensive Bewegungszeit in den Familien- bzw. Kinderalltag einbauen und selbst als Vorbild bewegungsaktiv sein. Auch ein motivierendes Umfeld und die Wahlmöglichkeit altersgemäßer Bewegungsaufgaben wirken sich positiv auf das Bewegungsverhalten von Kindern aus. Nicht zuletzt sollen die Kinder Spaß an der Bewegung haben, was dazu führt, dass sie diese gerne wiederholen.

Foren am Nachmittag

So wird Ernährung alltagstauglich – Ernährungsempfehlungen praktisch umgesetzt
Diplom Oecotrophologin Dr. Daniela Muhr-Becker gab den Teilnehmern praktische Tipps zur Umsetzung der Ernährungsempfehlungen und erarbeitet mit ihnen konkrete Möglichkeiten wie im Alltag Naschkatzen und Gemüsemuffel an gesundheitsförderliche Ernährungsweisen herangeführt werden können. In Kleingruppen erarbeiteten die TeilnehmerInnen einerseits konkrete Alternativen zu Schokopudding, süßen Fruchtjoghurts und Co. Zudem beschäftigten sich die Gruppen damit, wie sich die Akzeptanz für Gemüse steigern lässt.
Gummitwist, Hula-Hoop und Co. – alte Spiele für Kinder von heute
Mit viel Spaß, Freude und eigenen Kindheitserinnerungen bewegten sich die Teilnehmer zusammen mit Sportwissenschaftlerin Dr. Katrin Adler. Früher kamen Kinder mit wenigen Mitteln beim Spielen in Bewegung. Adler zeigte, dass die alten Spiele auch heute noch modern sind - ein Hula-Hoop-Reifen genügt, um die Hüfte schwingen zu lassen, für kleinere Kinder reicht es auch schon, den Reifen nur anzuschubsen und hinterher zu laufen. Kreisel, Hüpfseile, Ballspiele - hier lassen sich auf einfache Weise wertvolle Bewegungsanreize setzen.
Ernährung begreifen
Diätassistentin Sabine Johanntoberens zeigte den Teilnehmern anhand vieler praktischer Beispiele, wie Ernährungsbildung an unterschiedlichen Orten erfolgen kann. Ob in der Küche, am Esstisch, im Garten oder in der Kindertagesstätte – Johanntoberens hatte für jeden Bildungsort viele Ideen, die die TeilnehmerInnen ausprobieren konnten. Ein Vorschlag war es, "Geschmacksschulungen" durchzuführen, d. h., zum Beispiel unterschiedliche Sorten Äpfel anzubieten und über den Geschmack auch zu sprechen. Die TeilnehmerInnen profitierten von den Inspirationen und dem Austausch unter KollegInnen und der Referentin.

Bildergalerie

Tagung 2017

Kinderernährung in Bewegung - ein Blick über den Tellerrand

"Parmesan und Kapern schon mit einem Jahr?!" oder "Wie lassen sich Väter für die kindliche Ernährungserziehung motivieren?"– diese und weitere Fragen ließen die rund 100 Teilnehmer der Tagung Ernährungsbildung in Fürstenfeldbruck sprichwörtlich über die Tellerränder blicken.
Die Ernährungsbildungs-Tagung der Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung Oberbayern im Oktober 2017 im Veranstaltungsforum Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck, bot Fachleuten aus Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Multiplikatoren aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bewegung neue Impulse zu Ernährungsfragen. Im Fokus standen dieses Jahr Themen, die auch das persönliche Umfeld von Eltern und Erziehungsbeauftragten betreffen und sich auf die Ernährungserziehung der Kinder auswirken.
Zwischen den Vorträgen am Vormittag von Dr. Andreas Eickhorst zur Väterrolle in der Ernährungserziehung und von Dr. Ute Zocher zur Arbeit mit der (Ernährungs-)Biografie sorgte eine Bewegungspause für Schwung. Sportwissenschaftlerin Dr. Katrin Adler zeigte Hüpf- und Dehnübungen, die leicht in den (Kinder-)Alltag einzubauen sind und so die körperliche Aktivität und Fitness steigern.
Die Foren am Nachmittag dienten den Fachkräften dazu, die Theorie in die Praxis zu übertragen und konkrete Umsetzungsstrategien für ihr jeweiliges Arbeitsgebiet zu entwickeln.
Anregungen und Handlungsstrategien
Die Teilnehmer nutzten die Tagung gerne, um in den Vorträgen und Foren Anregungen und Handlungsstrategien zu erhalten und zu entwickeln, sowie zum intensiven Erfahrungsaustausch. Dieses Informieren und Netzwerken konnte auf dem Markt der Möglichkeiten und während der kulinarischen Pausen vertieft werden. Bei diesem stellten Institutionen Initiativen und Programme zur praktischen Ernährungs- und Bewegungsbildung vor.
Die Tagung eröffnete viele Impulse, Anregungen und konkret erarbeitete Handlungskonzepte, um den Blick über den Tellerrand zu erweitern. Die Teilnehmer freuten sich über eine gelungene und informative Veranstaltung.
Dr. Eickhorst referiert über die Väterrolle in der heutigen FamilienbildungZoombild vorhanden

Dipl. Psychologe Dr. Andreas Eickhorst

Vom Ernährer zum Erzieher zur Bindungsperson – Rolle der Väter für ihre Kinder und Familie
Dipl. Psychologe Dr. Andreas Eickhorst nahm in seinem Vortrag die Väterrolle in der Familienbildung sowie die kindliche Ernährungserziehung in den Blick. Er zeigte zunächst auf, wie sich die Rolle des Vaters im Laufe der Zeit entwickelte. Deshalb könne das Engagement väterlicher Fürsorge, bedingt durch das klassische Rollenbild, mitunter etwas zurückhaltend sein. Doch dies ändert sich. Väter übernehmen heutzutage vermehrt die Rolle einer Bindungsperson und engagieren sich mehr in ihren Familien. Um die Väter verstärkt für die kindliche Ernährungsbildung zu aktivieren und einzubinden, zeigte Eickhorst verschiedene Wege und Möglichkeiten dafür auf.
Dr. Ute Zocher	Zoombild vorhanden

Dipl. Pädagogin Dr. Ute Zocher

"Ach das liegt bei uns in der Familie…“ – die biografische Dimension der Ernährung
Dipl. Pädagogin Dr. Ute Zocher stellte die Biografie-Arbeit in der Ernährung vor. Bei der biografischen Herangehensweise findet eine Auseinandersetzung mit subjektiven und traditionellen Werthaltungen und Erfahrungen statt. Diese beeinflussen die Ernährungsweise der Eltern und somit die der Kinder. Diese Reflexion zeigt in der Ernährungsberatung und Kindererziehung Handlungsmöglichkeiten und Ressourcen zur Gesundheitsförderung auf.
Forum 1: Parmesan und Kapern schon mit einem Jahr?!
Am Nachmittag konnten die Teilnehmer des Forums von Dr. Ute Zocher selbst Erfahrungen in der Biografie-Arbeit sammeln. In Gruppen beschäftigten sie sich mit dem Thema „Essen und Zeit“ und stellten sich dabei die Frage, welche Bedeutung der Faktor Zeit in ihrer Kindheit beim Essen hatte. Nach kurzer Reflexion der gesammelten Erfahrungen hatten die Teilnehmer nochmals die Gelegenheit, sich im Plenum darüber auszutauschen. Überrascht waren die Teilnehmer darüber, wie viel Emotionen bei der Biografie-Arbeit aufkommen.
Forum 2: Väter motivieren!? – Ideen und Methoden zur Einbeziehung von Vätern in die Familienbildung
Im Forum erarbeiteten die Teilnehmer gemeinsam mit Dr. Andreas Eickhorst, wie die Einbindung von Vätern in die kindliche Ernährungs- und Bewegungsbildung besser gelingen kann. Sie trugen Ideen zusammen, wie dies in unterschiedlichen Settings – ob Kita, Kinderturnen oder Ernährungsberatung – möglich ist. Handlungsstrategien sind etwa eine sachliche und faktenbasierte Ansprache der Väter sowie eine väterorientierte Gestaltung des Settings. Der rege Austausch und die vielen praktischen Tipps zur Umsetzung kamen sehr gut bei den Teilnehmern an.
Forum 3: Mit Bewegung die Welt erobern
Dr. Katrin Adler stellte anhand von Postern den aktuellen Forschungsstand zum Thema Bewegung bei Kindern dar. Fakt ist, dass sich Kinder täglich mindestens 180 Min. bewegen sollten, davon 60 Min. intensiv. Diese Bewegungszeiten sammeln Kinder häufig durch viele kurze Intervalle. Dr. Adler fokussierte die Bedeutsamkeit, Kinder individuell zu motivieren und zu loben. Ziel ist es, deren Freude an Bewegung zu wecken und die motorische und koordinative Bewegungskompetenz zu steigern. Dabei können Eltern und Erzieher viel durch ihre Unterstützung bewirken, den Spaß und die Freude der Kinder an Bewegung fördern. Kinder wollen sich bewegen. Diese Neigung gilt es zu nutzen. Durch positive und vor allem individuelle Rückmeldungen erfahren die Kinder Kompetenz und Sicherheit bezüglich ihrer Bewegungskompetenz. Die Teilnehmer erprobten gegen Ende des Forums einige bunte Bewegungs-Spiele, die mit geringem Aufwand umsetzbar sind. Sie versuchten Mäuse (hopsende Tischtennisbälle) zu fangen oder hüpften als „Känguru“ auf verschiedenfarbige Kreise.
Amtsleiter Günter Biermayer

Günter Biermayer, AELF FFB

Markt der Möglichkeiten

Der Markt der Möglichkeiten

Stefanie Schirle

Stefanie Schirle, AELF FFB

Dr. Katrin Adler

Dr. Katrin Adler

Bewegungspause

Teilnehmer bei der bewegten Pause

Forum 1

Gruppenarbeit im Forum

Forum 2

Forum 2

Tagung 2016

Kind auf Leiter hält Apfel in der Hand

© famveldman - fotolia.com

Kinderernährung in Bewegung - Herausforderungen und Chancen
Zur diesjährigen Tagung des Netzwerks Junge Eltern/Familien, Ernährung und Bewegung kamen mehr als 100 Fachleute aus Kinderbetreuungseinrichtungen und Multiplikatoren aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bewegung. Vor allem der Wandel in der Lebenswelt der Kinder wurde beleuchtet und viele Vorurteile und Mythen zurechtgerückt. Die Teilnehmer hörten am Vormittag Vorträge zu den Themen "Risikofaktor Migrationshintergrund – Einfluss auf Kinderernährung und -bewegung?" von der Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin Dr. Ayse Cicek und "Kindergesundheit im Fokus: Mythen, Wirklichkeit und Motivation" von Bettina Walentzak vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung am LGL.
Gläschen mit verschiedenfarbigen Säften Zoombild vorhanden

Markt der Möglichkeiten

Ideen für den Alltag
Zwischen den Vorträgen brachte der Sportwissenschaftler Dr. Robert Jaeschke die Teilnehmer mit Übungen in Bewegung, die sie in ihrem Arbeitsalltag einsetzen können. Ein "Markt der Möglichkeiten" bot Gelegenheit, sich Ideen und Anregungen zu holen sowie eigene Erfahrungen auszutauschen. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Foren zu unterschiedlichen Themen zu besuchen. Die Veranstaltung bot außerdem die Möglichkeit zur Reflexion und zum intensiven Erfahrungsaustausch unter Fachkollegen.
Die Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung Fürstenfeldbruck und Ebersberg als Veranstalter sowie zahlreiche Teilnehmer freuten sich über eine gelungene und informative Veranstaltung.

Risikofaktor Migrationshintergrund?

Referentin spricht auf der BühneZoombild vorhanden

Dr. Ayse Cicek

"Bewegung war in meiner Kindheit nicht wichtig", erzählte Dr. Ayse Cicek, Gesundheitswissenschaftlerin, türkischstämmig und Mutter von vier Kindern. Daran hat sich auch heute in vielen Migrantenfamilien wenig geändert. Cicek zeigte damit einen der Gründe auf, warum Kinder mit Migrationshintergrund ein höheres Risiko für Übergewicht haben als deutsche Kinder. Zudem macht sie den hohen Brotkonsum von Migranten als Risikofaktor für Übergewicht verantwortlich. So isst im Durchschnitt eine aus der Türkei stammende Person mit 104 kg Brot pro Jahr fast doppelt so viel Brot wie ein Deutscher. Cicek beleuchtete weitere kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Einflüsse und hob als mögliche Lösungswege hervor, die Rolle der Mütter zu stärken und Sprachbarrieren zu überwinden.

Kindergesundheit im Fokus: Mythen, Wirklichkeit und Motivation

Rednerin steht am PultZoombild vorhanden

Bettina Walentzak

Bettina Walentzak vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung stellte klar, dass die Annahme, bayerische Kinder würden immer dicker, falsch sei. Es stimme jedoch, dass sie sich immer weniger bewegten. Grundschulkinder sind Erhebungen zufolge durchschnittlich eine Stunde am Tag aktiv. Eltern, Schulen und Institutionen hätten auf diese Entwicklung großen Einfluss. Doch gerade den Eltern sei oft nicht bewusst, wie wichtig Bewegung für ihre Kinder ist. Dass dicke Kinder dicke Erwachsene würden, sei nicht immer zutreffend, erklärte Walentzak. Bei der Gewichtsentwicklung komme es auf das Alter der Kinder an: Während übergewichtige Kleinkinder häufig wieder normalgewichtig würden, bliebe ein Zuviel an Gewicht im Grundschulalter eher bestehen. "Gesundheitliche Ungleichheit entsteht aus sozialer Ungleichheit", schloss Walentzak. Dies sei zu berücksichtigen bei der Frage wo, wie und vor allem wann Prävention ansetzen soll.

Foren am Nachmittag

Gesundheitsmediatorinnen des Projekts MiMiZoombild vorhanden

Nigora Mirzoeva (li.) und Firouz Bohnhoff

Forum 1: Gesundheitsförderung im Dialog – Anregungen für junge Familien mit Migrationshintergrund
Die Gesundheitsmediatorinnen Nigora Mirzoeva und Firouz Bohnhoff vom MiMi-Projekt Bayern stellten den Teilnehmer ihr Projekt vor. "Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Bayern" hilft mit ihren Mediatoren den Migranten das Gesundheitssystem in Deutschland zu verstehen. Im Forum wiesen die Expertinnen darauf hin, dass eine direkte Ansprache sehr wichtig sei. Sie beantworteten konkrete Fragen der Teilnehmer und erläuterte, wie die Verständigung mit den Migranten verbessert werden kann.
Referent erläutert Ergebnisse an der PinwandZoombild vorhanden

Dr. Robert Jaeschke

Forum 2: "Ganz wie die Eltern" – Gemeinsam für ein bewegtes (Kinder-)Leben
Wie wichtig die Rolle der Eltern in Bezug auf ausreichende Bewegung ist, hob Dr. Robert Jaeschke in seinem Forum "Ganz wie die Eltern" hervor. Die Eltern verbringen am meisten Zeit mit ihren Kindern. Somit ist es laut Jaeschke Aufgabe der Eltern, ihre Kinder zu einem aktiven Bewegungsverhalten zu motivieren. Wie das den Eltern gelingen kann und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen erarbeitete Jaeschke gemeinsam mit den Teilnehmern.
Tisch gefüllt mit KinderlebensmittelZoombild vorhanden

Kinderlebensmittel

Forum 3: Kinderlebensmittel – halten sie, was sie versprechen?
Die Diplom Ökotrophologin Ursula Liersch von der Verbraucherzentrale Bayern e. V. hinterfragte Kinderlebensmittel. Denn sie bringen nicht nur ein Zuviel an Zucker, Fett, Salz und Kalorien auf den Tisch, sondern liefern teils auch zu viel Vitamine und Mineralstoffe, künstlichen Geschmack und bedenkliche Zusatzstoffe. Seit 2012 dürfen Kinderlebensmittel nur noch mit den 11 zugelassenen Gesundheitsversprechen beworben werden, diese täuschen jedoch häufig über das ungesunde Nährstoffprofil dieser Lebensmittel hinweg. Seitens der Lebensmittelunternehmen besteht eine Selbstverpflichtung, Werbung nicht direkt an Kinder zu richten, die jedoch nicht konsequent umgesetzt wird. Kinder sind eine attraktive Zielgruppe: 2013 hatte die Altersgruppe der 6- bis 13-Jährigen eine Kaufkraft von 6,5 Milliarden Euro.